Wenn Fairness angeblich Luxus ist

Wahrscheinlich ist es nur Gedankenlosigkeit, aber sie ist vielsagend: Der SPIEGEL beginnt eine Notiz zu einer politischen Initiative mit folgenden Sätzen:

Wenn es nach der Hamburger SPD-Fraktion geht, soll Gutmenschentum in Zukunft zumindest in einem Bereich kein kostspieliges Privileg mehr sein. Am Mittwoch bringt die Hamburger Fraktion der Sozialdemokraten nach SPIEGEL-Informationen einen Antrag in die Bürgerschaft ein, wonach die vom Bund erhobene Kaffeesteuer für fair gehandelten Kaffee erlassen werden soll.

Schon der fahrlässige Umgang mit dem rechten Kampfbegriff Gutmensch sollte warnen, aber viel schlimmer ist die dahinter stehende Weltsicht: Fair mit Erzeugern von landwirtschaftlichen Produkten umzugehen ist da schon ein „kostspieliges Privileg“ für solche, die es sich leisten können, ein sauberes Gewissen zu haben.

Nein, ist es nicht. Es ist genau anders herum: Der ausbeuterische Umgang mit Bauern und Produzenten überall Welt ist ein Verbrechen. Und das gilt auch für viele, viele Ecken der so genannten Ersten Welt.

Wer gerne möchte, dass seine Nahrung so entsteht, dass er zuschauen könnte ohne weinen oder kotzen zu müssen, der ist kein „Gutmensch“ – sondern ganz einfach ein Mensch. Nicht er muss sich rechtfertigen, im Gegenteil: Wer fairen Handel schon für Luxus hält, dem sind die Maßstäbe verrutscht.

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