Wie erkenne ich gutes Öl von außen?

Wahrscheinlich kennt das jeder: Man steht vor einem Regal voller Olivenöle, auf denen eigentlich überall das gleiche draufsteht. Woran erkenne ich also, welches gut ist?

Die Antwort ist irre komplex und beginnt leider unbefriedigend: Die Wahrscheinlichkeit, dass man in einem Laden ein wirklich tolles Öl zu einem erträglichen Preis findet ist unserer Erfahrung nach gering. Der Markt ist geprägt von Billigheimern und Panschern, die allerdings oft grandioses Marketing machen – von außen sind die Flaschen meist sehr viel schöner, als es dem Inhalt angemessen wäre.

Deshalb fünf vorsichtige Tipps, die gelten, wenn man das Öl nicht probieren kann.

1. Natürlich geht nur Olivenöl der besten Klasse „nativ extra“ (oder „extra vergine“ oder entsprechend). Das sind allerdings praktisch alle, die man so findet – zumindest steht es so drauf. „Nativ“ heißt „natürlich“, d.h. es ist nichts als der ausgepresste, unbehandelte Saft der Olive drin. Das „extra“ bedeutet gemäß der Olivenöl-Verordnung, es sind nicht mehr als 0,8 Prozent freie Fettsäuren im Öl, keine geschmacklichen Fehler, nur begrenzt Peroxide (die das chemische Alter des Öls zeigen) und die Feuchtigkeit ist größer als null, das Öl schmeckt also nach irgendwas. Doll ist das nicht, aber eine höhere Auszeichnung gibt es tatsächlich nicht.

2. Die Verpackung sollte lichtdicht sein (UV-Strahlen zerstören chemische Bindungen im Öl) und unserer Meinung nach sollte das Öl gefiltert sein, also nicht „naturtrüb“ (die Schwebstoffe enthalten immer noch Reste Fruchtwasser, an denen das Öl oxidiert).

3. Es sollte genau draufstehen, woher das Öl kommt. Also nicht bloß „Italien“, sondern ein konkreter Ort, ein konkreter Abfüller und so weiter. Man sollte mit diesen Angaben tatsächlich vorfahren und den Erzeuger besuchen können.

4. Es sollte auf der Verpackung stehen, aus welcher oder welchen Sorte(n) Oliven das Öl gepresst ist. Erstens findet man so mit der Zeit seine Lieblingssorten, und zweitens spräche die Angabe dafür, dass sich der Produzent ein bisschen Mühe gibt und nicht einfach zusammenkauft, was gerade am Markt billig zu haben ist.

5. Es sollte ein Ernte- und Abfülldatum auf der Verpackung stehen. Olivenöl wird mit der Zeit schlechter, man sollte immer das aus dem letzten Winter kaufen. Ein Mindesthaltbarkeitsdatum sagt dazu nicht viel aus, weil ein altes Öl auch dann noch lebensmittelphysiologisch unbedenklich sein kann, wenn es schon längst nicht mehr lecker schmeckt. Und wir wollen ja Freude am Öl haben.

Hier zeigen wir einmal Beispielhaft, wie wir uns das vorstellen (und es deshalb machen):

Auf der Vorderseite stehen die vorgeschriebenen Dinge: nativ extra, Land (als Regionen gehen nur quasi staatlich anerkannte)

Auf der Vorderseite stehen die vorgeschriebenen Dinge: nativ extra, Land (als Regionen gehen nur quasi staatlich anerkannte). Zusätzlich schreiben wir hier „grüne Aromen“, weil dieses Öl aus einer frühreif geernteten Charge kommt  – aber das ist schon Spezialistentum.

Auf der Rückseite steht dann der größte Teil:

Hinten dann alle anderen Punkte (plus grundsätzliche Infos und Beispiele für den Gebrauch in der Küche)

Hinten stehen Infos zum Erzeuger, der Olivensorte und zum Öl (plus grundsätzliche Infos und Beispiele für den Gebrauch in der Küche)

Und die „aktuellen“ Infos schreiben wir auf einen Aufkleber, der auf die Unterseite kommt (so können wir Kanister für mehrere Ernten gleichzeitig produzieren lassen und ändern nur den Aufkleber):

Der Abfüller ist nicht zwingend der Erzeuger der Oliven oder des Öls, und vom MHD kann man nicht zwingend auf das Erntedatum schließen, deshalb ist beides nötig.

Der Abfüller ist nicht zwingend der Erzeuger der Oliven oder des Öls, und vom MHD kann man nicht zwingend auf das Erntedatum schließen, deshalb ist beides nötig.

Es ist natürlich keine absolute Sicherheit, aber als Faustregel darf man im Laden annehmen: Wer so viele Informationen preisgibt, der hat wahrscheinlich einen gewissen Stolz und gibt sich Mühe bei der Herstellung, dann sollte das Öl eigentlich zumindest okay sein (und wenn einer die Dreistigkeit und die kriminelle Energie hat, das alles zu fälschen, dann hat er für die Chuzpe wahrscheinlich fast verdient, dass man ihm die eine Flasche abkauft, die man braucht, um das zu erkennen …).