Lebensmittelbetrug: Olivenöl an erster Stelle

Olivenöl steht an erster Stelle: Ganz oben auf der Liste der Lebensmittel, mit denen am meisten Betrug begangen wird. Das ist nicht neu, das ist sogar Jahrtausende lang gelebte Realität – und Grund dafür, warum es überhaupt Firmen wie unser arteFakt gibt, die eine Nische besetzen: Dass in Produkten das drin ist, was drauf steht.

So weit ist es nämlich längst: Was auf einer Verpackung steht ist oft genug ohnehin nichts anderes als Verschleierung – unter tätiger Mithilfe der Gesetzgeber. Wenn der Kunde keine Konservierungsmittel will, dann deklariert man denselben Inhaltsstoff eben zum „Säuerungsmittel“ und verkauft dasselbe so genannte Lebensmittel mit dem dicken Hinweis „Ohne Konservierungsstoffe“. Aber, wie gesagt, davon redet das Europäische Parlament in dem Entwurf zum neuen Betrugsbericht noch gar nicht. Sie sprechen von Fällen, in denen angebliche Calamari-Ringe aus Schweinedarmstreifen bestehen, konventionell angebaute Lebensmittel zu „bio“ umdeklariert werden und eben von Olivenöl, wo jede Art von Panscherei und Betrug schon vorgekommen ist, von raffiniertem Öl, das als natives verkauft wurde, bis zu umgefärbten Nussölen oder ähnlichem. Die Gewinnspannen sind vergleichbar mit denen im Drogenhandel, die Risiken aber minimal. Das ist organisierte Kriminalität, nichts anderes.

Aber eins ist anders: Die Kunden. Wir.

Organisierte Kriminalität wächst normalerweise da, wo Kunden keine Wahl haben – weil sie süchtig sind, die Ware verboten oder so unverständlich abstrakt wie Geldanlage.

Aber Olivenöl ist nicht abstrakt. Fisch, Honig, Wein und die anderen Lebensmittel auf der Liste sind nicht abstrakt. Und während der größte Teil der legalen Panscherei bei den Lebensmitteln eher in der Zubereitung stattfindet, wo offenbar immer mehr Menschen immer weiter verarbeitete Lebensmittel kaufen, weil sie nicht kochen wollen, sind auf der Liste vor allem Rohstoffe vertreten. Olivenöl, das ist der Saft der Olive und sonst nichts. Und es gibt wahrscheinlich niemanden, der nicht lieber gutes Olivenöl nutzen würde als schlechtes. Warum also kann eine Industrie von Kriminellen ihr organisiertes Verbrechen an uns begehen, ohne dass wir uns wehren?

Weil wir ganz offensichtlich nicht bemerken, dass es begangen wird. Weil wir – im Sinne von: als Gesellschaft – gutes Öl nicht von schlechtem unterscheiden können. Die allermeisten Menschen wissen nur sehr, sehr ungefähr, was sie eigentlich suchen, wenn sie nach gutem Olivenöl Ausschau halten.

Das ist das erste, was wir ändern müssen.

 

2 Antworten zu Lebensmittelbetrug: Olivenöl an erster Stelle

  1. Änni 26. Januar 2015 at 20:59 #

    ’n Abend!

    Lustig, wie das mit dem Umherklicken im Inet manchmal so geht. Da verlinkt jemand in einer Griechenlanddiskussion auf einem neuen Nachhaltigkeitsforum einen Artikel von dir, in dem du BILD-Lügen über den angeblichen Reichtum Griechenlands entlarvst, ich finde das interessant, klicke und lese und klicke und lese weiter und lande schließlich einige Zeit später hier, beim Olivenöl.
    Recht hast du, ich fühle mich ertappt. Viele wissen mittlerweile wohl, dass sie auf die Bezeichnungen „nativ“ und „extra“ achten sollten beim Olivenölkauf. Man denkt sich dann beim Griff zum „Nativen Ölivenöl extra“ für 4,30€ pro Liter schon, dass das wahrscheinlich alles ist, aber nicht gute Qualität, aber dann schaut man sich die weiter oben im Regal stehenden Öle an, ein bisschen aufwendiger designt und hübscher verpackt, aber mit derselben Aufschrift, und denkt sich „Hm, da zahl ich auch bloß für die optische Aufmachung“ – und so bleibt man beim Billigöl. Wer hat nun hier Schuld, der Gesetzgeber, der solche Kennzeichnungen zulässt, der Hersteller, der solche Kennzeichnungen (zu Unrecht?) nutzt, oder doch der Verbraucher, der zu bequem ist, sich mal mit den Kennzeichnungen und tatsächlichen Inhaltsstoffen seiner Lebensmittel auseinanderzusetzen? Andererseits, wer hat Zeit & Muße, sich mit allem, was er sich so einverleibt, ausgiebig zu beschäftigen?
    Ich achte darauf, in der Küche möglichst viel selbstzumachen, das ist schon mal ein Schritt. Wenn ich dann aber von gepanschten Ölen und anderen Betrügereien (nichts anderes ist das für mich, auch wenn es sich gerade noch im legalen Rahmen bewegen mag) lese, demotiviert das und macht wütend. Aber um letztlich aus daraus etwas Positives zu schöpfen – immerhin weiß ich nun, woher ich fortan mein Olivenöl beziehen werde. Danke dafür! 😉

    Grüße
    Änni

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