Das Olivenöl aus Kreta, das es nicht gibt …

Wir bekommen Post von Kunden, die Werbung vom Discounter im Briefkasten hatten: „Olivenöl extra nativ aus Sitia/Kreta“ für 3,99 der halbe Liter. Wie das wohl sein kann, wo doch Kreta praktisch keine Oliven hatte in diesem Jahr?

 

Das kann sein, wenn das Öl in der Flasche entweder

  1. sehr schlecht ist (denn es gab kein gutes Öl in diesem Jahr auf Kreta), und damit meine ich so schlecht, dass es eigentlich die Voraussetzungen für „nativ extra“ nicht erfüllt (das wäre dann illegal).
  2. alt ist. Denn die meisten Händler bauen strategische Reserven aus alten Jahren auf, um die Produzenten im Zweifel erpressen zu können, mit den Preisen nicht zu hoch zu gehen, und jedes Jahr mischen sie dann einen Teil des alten Öles ins neue. Dieses Jahr müssen sie mehr von dieser Reserve abbauen als sonst (das ist legal, so lange das Olivenöl okay ist).
  3. nicht von Kreta ist, zumindest weit gehend nicht. Bei Supermarkt- und Discounter-Olivenölen ist es die Regel, dass verschiedene Olivenöle auch aus ganz verschiedenen Regionen gemischt werden. Das ist legal, so lange es ausgewiesen ist. Wenn allerdings das bestimmte Gebiet „Sitia“ auf Kreta ausgewiesen ist, dann müssen die Oliven auch von dort sein. Dass es in diesem Jahr dort genug Oliven gegeben hat, damit Discounter ihre Chargengrößen vollkriegen, halte ich für ausgeschlossen.

Mit anderen Worten: Alles wie immer. Mit dem, was Kunden im Kopf haben, wenn sie „Olivenöl extra nativ“ kaufen, hat mit dem Zeug, was im Supermarktregal steht, in den meisten Fällen praktisch nichts mehr zu tun. Aber das ist wahrscheinlich bei fast allen industriellen Lebensmitteln so.

 

Denn eins muss auch klar sein: Selbst wenn Discounter manchmal Olivenöl praktisch ohne eigene Marge verkaufen, weil es ein so oft getestetes Leuchtturm-Produkt ist, ist ein wirklich gutes Öl für 3,99 nicht zu haben.

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